Vor 75 Jahren

Wehrführer 1945:

Michael Adams

10. Wehrführer seit Gründung 1885

Aus den letzten Kriegstagen 1945 sind im Archiv der Freiwilligen Feuerwehr Linz nicht viele Bilder, Dokumente oder Einsatzberichte erhalten oder dokumentiert worden. Aus diesem Anlass wurde 2009 mit verschiedenen Kameraden, welche zu dieser Zeit schon aktiv in der Feuerwehr tätig waren bzw. zum Dienst in der Feuerwehr verpflichtet wurden, Zeitzeugengenspräche zu dieser Zeit geführt. Beispielhaft sind nachfolgend Auszüge aus zwei Gesprächen nachlesbar.

Der erste Bericht wurde mit Frau Antonia Vogt geführt welche 1944 als Feuerwehrfrau zwangsverpflichtet wurde.

Im zweiten Bericht sind Auszüge aus dem Gespräch mit Hauptbrandmeister Paul Paffhausen nachlesbar. Paul Paffhausen trat 1944 in die Linzer Wehr ein und war von 1954 bis 1959 Wehrführer in der Stadt Linz.

Gespräch mit Frau Antonia Vogt:

Im April 1944 habe ich von der Stadt ein Schreiben erhalten, dass ich in die Feuerwehr muss. Ich musste am zweiten Donnerstag im Monat Mai bei der Feuerwehr um 19.30 Uhr erscheinen.

Wir waren in der ersten Gruppe. Es gab noch eine zweite Gruppe. Wir waren alle zwangsverpflichtet. Wenn wir da nicht hin wollten oder haben gemeckert, dann wären wir zum Roten Kreuz gekommen.

 

Beim ersten Treffen wurden wir eingekleidet. Wir bekamen die Klamotten. Die Frauen bekamen die Jacken von den Männern. Die blauen Jacken mit dem roten Streifen. Gretel Küpper und ich kamen ja aus der Textilbranche, wir waren raffiniert, wir haben beide einen Overall bekommen. Wir haben uns die direkt unter den Nagel gerissen. Ich bekam einen Helm von Herrn Klever. Das war der Schwiegervater vom Ott’s Gottfried. Dann haben wir noch Gürtel bekommen, sonst nichts.

 

Nach 8 oder 14 Tagen mussten wir noch einmal zum Feuerwehrhaus. Dort bekamen wir beigebracht, was C-Schläuche und B-Schläuche sind. Es gab nur eine freistehende Pumpe, die wurde mit einem Wägelchen gefahren und an den Anhänger gehangen. Es gab noch keine Feuerwehrautos. Das Feuerwehrauto ist durch die Verwandtschaft von Herrn Ott (aus der Aachener Gegend) kurz vor Kriegsende nach Linz gekommen. Damit sind die geflüchtet. Das Auto ist dann hier geblieben.

Wenn am Tag die Sirene ging, mussten wir immer gehen, weil wir ja in der Stadt beschäftigt waren. Wie die Männer das machten, wissen wir ja nicht. Egal wie oft am Tag die Sirene ging, mussten wir mit der Uniform in die Feuerwehrhalle. Dort mussten wir Wache halten, bis die Sirene wieder ging, so dass Entwarnung war. Die Uniform hatten wir immer zu Hause. (Ich hatte die Uniform immer im Geschäft, wenn nachts was war, habe ich die Uniform mit nach Hause genommen). In der Feuerwehrhalle gab es wohl ein Spind, wo wir mal was hinhängen konnten, aber die Uniform hatten wir immer zu Hause.

 

Inder Feuerwehrhalle gab es nur einen Anhänger mit der Pumpe und den Schläuchen, einen kleinen Wagen, einen kleinen Gesellschaftsraum mit Kanonenofen.

 

Der erste Einsatz war ein Kellerbrand neben dem Hotel Europäer. Dort wohnten damals die Wirtzfeld's. Die hatten eine Fahrbereitschaft, die hatten Lastwagen, die waren voll Brikets geladen. Die Brikets kamen alle in den Keller. Die hatten nicht aufgepasst, wo die Heizrohre her liefen und daraufhin haben sich die Brikets alle entzündet. Wir mussten den Kellerbrand löschen. Wir kamen in den Keller nicht rein, so dass wir draußen im Garten auf dem Bauch gelegen haben. Wir haben das Feuer von außen gelöscht und in den Keller gespritzt.

 

Bis zum 07.03.1945 war ich in der Feuerwehr. An dem Tag hieß es, dass die Amerikaner in Remagen seien und dann sind wir nicht mehr zur Feuerwehr gegangen.

Gespräch mit Herrn Paul Paffhausen:

Während der Kriegsjahre war kaum noch ein Mann in Linz. Alle Männer im wehrfähigen Alter waren im Krieg. In Linz waren nur noch alte Leute, Frauen und Mädchen. In den Kriegsjahren waren 90 Mitglieder in der Feuerwehr. Überwiegend waren dies Mädchen und Frauen. Wenn Alarm war(gleichzeitig Fliegeralarm), musste die Wache gestellt werden. Dies wechselte immer. Alle 4 Wochen war man an der Reihe. Am Tag über waren die Frauen oder Mädchen da, die abkömmlich waren, insgesamt immer 8-10 Leute. Während des Krieges wurden auch Übungen abgehalten.

Ausgebildet wurden im Prinzip nur durch die Feuerwehrleute, die etwas länger in der Wehr waren. Man bekam jemanden zugeteilt, der die Erklärungen abgab.

 

1945: An Ausrüstung waren noch 2 TS8 vorhanden, die kamen Anfang des Krieges von der Firma Hünne in Köln. Dann kam später ein Angriff auf Leubsdorf, dort waren einige Häuser abgebrannt. Danach wurde gefragt, ob nicht eine Tragkraftspritze nach Leubsdorf gestellt werden könnte. Daraufhin ging 1 TS8 nach Leubsdorf. Dann kam nach dem Krieg noch eine TS6 (Kapselschieberpumpe) und eine TS8 von der Firma Schmitt in Neuwied. Kurz nach dem Krieg kam das LF25. Das gleiche Fahrzeug gab es auch noch einmal in Neuwied. Das waren die einzigen Feuerwehrfahrzeuge zu diesem Zeitpunkt im Kreis Neuwied. Alles andere waren umgebaute Fahrzeuge. Rengsdorf hatte eine Tragkraftspritze und Unkel. Beide waren von der Firma Henkel in Düsseldorf. Die Firma Henkel hatte in Unkel eine große Villa und in Rengsdorf hatten sie eine sehr große Villa, deshalb mussten dort Pumpen hin.

Das LF25 hat sich nach dem Krieg sehr gut bewährt. Jeden Tag war ja was los. Es gab viele Waldbrände. Wegen der Waldbrände waren ja manchmal bis zu 18 Personen auf dem Fahrzeug. Das Fahrzeug besaß einen 300-l-Tank. Der war mehr dazu gedacht, um bei einer großen Saughöhe diese zu überwinden. Die Saugleitung wurde dann aus diesem Tank gefüllt. Das Fahrzeug hatte rechts und links je 3 B-Abgänge. 2- und 3-teilige Schiebleitern, Stockleitern, Dachdeckerleitern waren ebenfalls vorhandenvorhanden.

... etwas besonderes

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